Travel on two wheels

16. Tag: Fr. 11.4.: Dole – Verdun sur le Doubs (65 km)

Das erste Mal wild campen, das wollte ich schon lange mal machen. Francis, bei dem ich vor ein paar Tagen genächtigt habe, hat mich dazu ermutigt (“pas de soucis”) und mir auch ein paar Tipps gegeben (entweder in der Nähe eines Wasserhahns zelten oder genügend Wasser in Flaschen abfüllen, ebene Wiese suchen, nicht zu nah bei einer Straße wegen des Lärms, früh abhauen, keinen Müll oder sonstige Spuren hinterlassen). Heute Nacht also ist es so weit: die Tagesetappe hätte ich eigentlich gerne in Seurre beendet, 30 km von Dole entfernt, allerdings hat der dortige Campingplatz geschlossen. Bis Chalon-sur-Saône zu radeln, scheint mir als günstige Option. Ist zwar die doppelte Strecke, aber machbar. Nach 60 Kilometern, die sich heute auf eher schlecht befahrbaren Wegen und in ländlicher Einöde etwas ziehen, gelange ich nach Verdun. Weiter zaht’s mich nicht mehr. Ende Gelände.
Da die zwei (!) Campings in Verdun beide geschlossen haben, entscheide ich mich für Protest! Ich campe hier, ob ihr es wollt oder nicht! Ätsch. Und insgeheim wollte ich ja schon länger das “wilde”, weil eigentlich illegale, Zelten ausprobieren.
Zuerst geht der Sammler aber auf Nahrungssuche, bevor er dann zum Jäger des besten Zeltplatzes wird. In einem riesigen Supermarkt decke ich mich mit Essbarem für die nächsten 24h ein. Dann kundschafte ich die Gegend ein bisschen aus, vor allem die verlassenen Ufer des Flusses. Dort gibt es immer wieder mal etwas Wald, und bei genau so einem Wald finde ich mein Plätzchen. Es liegt am Ende einer verwilderten Forststraße. Nur muss ich da erst mal hin, ohne von mehreren Anglern blöd angeglotzt zu werden, die direkt an der Einfahrt in diese Straße fischen. Außerdem ist es ja erst 16 Uhr, also noch nicht wirklich Zeit zum Zelt aufbauen und schlafen gehen. Das Lager will ich sowieso erst bei Dämmerung aufschlagen. Der Grund: mein Plätzchen liegt direkt vis-à-vis zu einer großen Kanalschleuse, dazwischen ist allerdings ein hoher Damm. Der Schleusenwärter mit seinem Peugeot fährt allerdings ein Stück lang genau auf diesem Damm, wenn er den eingezäunten Bereich verlässt. Als ich mich nachmittags dann auf diesem Damm einmal hinsetze und endlich zum Lesen in der Bibel komme, werde ich von ihm auch gleich angeschnauzt, ob ich denn den Radweg suche – der sei anderswo –, und dass ich aufpassen solle – das Sitzen am Damm sei gefährlich. Aha. Also von dem Typen will ich nicht beim Biwakieren gesehen werden. Deshalb versuche ich später, meinen Spot möglichst weit von der Straße zu entfernen, soweit es halt geht bei den ganzen Bäumen, die da so im Weg herumliegen.
Bis ich um 20 Uhr mein Zelt aufstelle, sitze ich weiterhin am Damm und lese in der Bibel, das Markus-Evangelium. So nutze ich die Zeit wenigstens sinnvoll.
Als ich mein Zelt aufstelle, höre ich im Wald neben mir ständig Schüsse. Sie kommen von fern, und sie hören auch bald wieder auf. Des Nächtens schlafen auch die Jäger, so scheint es. Dafür beginnt dann das Tierkonzert: unglaublich, was Viecher für einen lärm machen müssen, wenn die Luft mal schwarz wird. Die nehmen ja überhaupt keine Rücksicht 😉 das Quaken hunderter Kröten dauert bis morgens an. Nachtaktiv sind außerdem auch Schnecken, übrigens. Ich bekomme davon aber wenig mit, da ich bei Sonnenuntergang schon im Reich der Träume bin. Selten habe ich so gut und fest geschlafen, erstaunlicherweise.

12.4.14

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