Travel on two wheels

6.-10. Tag: Braunau/Inn – Konstanz (405km)

Di., 1.4.: Braunau – München (145km)
Das erste Mal auf meiner Tour wird die Orientierung zur Herausforderung: Anfangs gehts von Braunau, wo ich mich sehr gut erholt habe, noch sehr entspannt bis Waldkraiburg, wo allerdings schon das bayrische Hügelland beginnt. Jeder Ort liegt auf einem Hügel, und meine Landstraße führt durch genau jedes Ortszentrum. In Waldkraiburg packt mich die Unsicherheit, ob ich es heute ohne jegliches Kartenmaterial wirklich nach München schaffen werde. Am ipad habe ich zwar offline Karten gesichert, die sind aber zu ungenau und der berechneten Route traue ich nicht ganz, und vom Tourismusbüro in Braunau habe ich nur eine Übersichtskarte für ganz Bayern bekommen, was auch nicht ganz das Wahre ist. Also mal nach Waldkraiburg abzweigen, um den Weg zu erfragen. In der naiven Hoffnung, hier jemanden zu finden, der mir aus dem Effeff eine exakte, angenehme, verkehrsarme und direkte Route in die Landeshauptstadt diktiert. Das passiert natürlich nicht. Erkenntnis: You have to figure it out yourself! Einfach in den sauren Apfel beißen. Somit war der Abstecher ins kleine Waldkraiburg eher Zeitverschwendung, denn es ist schon Mittagszeit und ich habe locker noch die hälfte des Wegs vor mir. Noch dazu verfahre ich mich am Weg aus dem Örtchen noch ordentlich, was mich noch mehr Zeit und Nerven kostet. Ich versuche, Ruhe zu bewahren und pedaliere zügig am Inn entlang nach Gars am Inn, von dort irre ich irgendwie nach Haag in Oberbayern, wo dann endlich die Rettung naht: in einem Radgeschäft kriege ich günstig eine radkarte bis München. Erleichterung!
Parallel zu einer schwer befahrenen Bundesstraße verläuft ein Radweg, der aber irgendwann im Nichts endet. Auf der Landkarte ist er aber weiterhin eingezeichnet. Das heißt: ab auf die Straße. Warnweste trage ich sowieso schon, seit ich vom Innradweg abgekommen bin, aber trotzdem überholen die riesigen Laster teils sehr knapp. Teilweise muss ich von der randlinie bis ins Bankett ausweichen. Mit vielen Stoßgebeten schaffe ich es aber unbeschadet über die paar Kilometer.
Damit noch nicht genug: München und mich trennt noch der Ebersberger Forst, der auf der Karte aussieht wie ein nettes Spazierrevier, rasterförmig angelegte Forststraßen, sehr übersichtlich. In der Praxis verwandelt sich der Wald aber schon nach wenigen Minuten in einen Irrgarten, es ist richtig kafkaesk, kein einziger Mensch (schon gar kein Tier) hält sich in diesem locker 20 km breiten Wald auf, nur ewig lange schnurgerade Straßen und überall Bäume. Alles sieht gleich aus. Eine gute Stunde radle ich durch dieses nicht enden wollende Labyrinth, heraus schaffe ich es nur dank Kompass.
Landen tue ich in Vaterstetten, einem Vorort Münchens. Da fällt ein Mountainbiker vom Himmel, der mir am Aldi-Parkplatz den weiteren Weg in die Stadt erklärt: der S-Bahn entlang bis zur Isar, ab dort am Isar-Radweg bis zu meinem angesteuerten Campingplatz Thalkirchen. Doch leider ist diese Route eher Mountainbike-geeignet und führt nur über Schleichwege und unwegsames Gelände neben den Schienen. Bei der nächsten S-Bahnstation kaufe ich mir ein Ticket und fahre bis Thalkirchen öffentlich. Das ist in einer großen Stadt wie München viel gescheiter. Außerdem bin ich schon ziemlich KO. Mit Müh und Not stell ich mein Zelt auf und mach mir noch eine große Dose Chili con carne warm. Mehr schaff ich den Abend nicht mehr. Ich bin einfach nur froh, mein Ziel doch erreicht zu haben.

Mi., 2.4.: München Ruhetag

Erstens kommt es immer anders, als man zweitens denkt! Statt gleich heute weiterzuradeln Richtung Memmingen im Allgäu, entscheide ich mich letztendlich, doch noch einen Tag in dieser großartigen Stadt zu verbringen. Das Wetter ist einfach zu schön und ich bin in der früh sowieso zu spät losgekommen. Mein Nachtlager am recht ungemütlichen Camping habe ich allerdings schon abgebaut. Also checke ich im Jäger’s Hostel beim Hbf ein. Billigste Variante 40-Bett-Zimmer. Gebucht!
So verbringe ich einen lässigen Tag in der Stadt, bisschen Bummeln, bei Globetrotter Ausrüstung nachkaufen (Spork Besteck, Brennstoff, Teehäferl), englischer Garten. Im Hostel lerne ich Menno aus Holland kennen, der mit seiner Schule hier ist. Das sind alles sehr nette Leute, mit denen ich einen lustigen Abend verbringe – und stilecht einen Münchner Biergarten unsicher mache. Leiwand!

Do., 3.4.: München – Aitrach (im Unterallgäu) 155km Die mit Abstand längste Etappe bisher – 1200 Höhenmeter und mehr als 150km durch den halben hügeligen Allgäu. Das war zu viel des Guten. Ab jetzt wieder zurückschrauben. Ein unangenehmes Gefühl im rechten Knie macht sich leicht bemerkbar. Endlich zahlt sich die Anschaffung des iPads als Navi vollends aus! Mit der abgespeicherten GPS-Route und (besseren) offline-Karten lässt sich der Allgäu recht gut beradeln. Bei der Ausfahrt aus München überholt mich ein junger, sympathischer Mann auf einem roten City-Rennrad und fragt mich, wohin ich denn fahre. Tino sein Name, Engel seine Funktion. Er bringt mich sicher aus der Stadt – über unbefahrene Schleichwege. Eine super Strecke. Wir unterhalten uns prächtig und er sagt mir noch den restlichen Weg bis zum Ammersee. Genial. So komme ich ganz flott zum Ammersee, fühle mich körperlich und geistig topfit und bin hochmotiviert. Der Allgäu mit seinen Hügeln verlangt mir trotzdem einiges ab. Ständig gehts rauf und runter, kein Ende in Sicht. Sehr ländliches Flair, unzählige Bauernhöfe, Felder, Hügel, vereinzelt Wald. Eigentlich eine sehr schöne Gegend. Wenn man nicht gerade noch bis Aitrach will, was dann doch etwas weiter weg ist als gedacht. Am Ende ist es einfach nur noch mühsam, ich komme in die Dämmerung und in den Abendverkehr. Der Campingplatz in Aitrach ist dann ein Erlebnis für sich: vollkommen ausgestorben, nur einige verlassene Wohnwägen der Dauercamper, sonst nichts. Dafür ein topmodernes Waschhaus, wo ich mein ganzes Gepäck einmal einlagere und mir eine heiße Dusche genehmige. In der Pizzeria im Ort schiebe ich mir ordentlich was ins Fressloch, mein Hunger ist kaum zu stillen, und freunde mich mit dem Chefe an, der mir ein paar Minuten Internet “borgt” – via Hotspot. Todmüde komme ich zum Platz zurück. Für Zeltaufbau keinen Kopf, breite ich mich kurzerhand im Waschhaus aus. Buchstäblich in der Toilette. Scheint mir aber alles sehr sauber zu sein, außerdem gibts eine Heizung und im Prinzip ist mir eh schon alles egal, Hauptsache ich friere in der Nacht nicht. Außerdem bin ich vollkommen allein am Platz, also sind auch keine nächtlichen Besuche zu erwarten. Fr. 4.4.: Aitrach – Konstanz (105 km) Endlich Bodensee! Die letzte harte Etappe durch den Allgäu. Bis Friedrichshafen am Bodensee-Nordufer aus eigener Kraft, von dort aus mit dem Katamaran nach Konstanz rüber. Ruhetag in Konstanz war von vornherein geplant, wird speziell zur Schonung der Knie vonnöten sein. Ich leiste mir in Konstanz eine Jugendherberge, da die Wettervorhersage regnerisch ist. Gleichzeitig mit mir checkt auch Kevin aus Hamburg ein. Wir sind sofort auf einer Wellenlänge. Er ist auch reise- und radbegeistert und wir verbringen den Abend in Konstanz. Köstliches Essen beim Griechen, Drinks in der Bar zur Schwarzen Katze (Empfehlung!) und ein Ausflug ins Konstanzer Nachtleben inklusive. Nice! Sa. 5.4. Ruhetag in Konstanz Korrespondenz mit der Homebase und der restlichen Welt, Bloggen, Route austüfteln und relaxen. Wieder mit Kevin unterwegs, sehr lustig! Faruk aus Frankfurt ist auch in meinem Zimmer, er und seine Freundin Susanne sind sehr herzliche, nette Menschen!

6.4.14

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